Geschlossenes Schweigen

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Geschlossenes Schweigen
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Für das erste Ausrufezeichen bei der Fußball-WM in Katar hat die iranische Nationalmannschaft gesorgt. Geschlossen hat sich die Mannschaft vor dem Auftaktspiel gegen England geweigert, die Nationalhymne zu singen. Dafür war es höchste Zeit, findet Sportjournalist und Iran-Experte Farid Ashrafian. Denn während es in der Vergangenheit quer durchs Land Solidaritätsbekundungen mit der Freiheitsbewegung gab, ließ die Fußballnationalmannschaft ein solches Zeichen bisher vermissen.

"Iran ist kein Rechtsstaat"

Ashrafian geht davon aus, dass die Spieler jetzt befreiter aufspielen können. Auch die iranischen Basketballer, Wasserballer und Sitzvolleyballer hatten zuvor aus Solidarität mit den Protestierenden das Mitsingen bei der Hymne verweigert. Im Iran drohen nun Sanktionen. Denkbar ist zum Beispiel eine politische Verfolung durch Unterstützer des Mullah-Regimes.

Tränen auf der Tribüne

Die Mannschaft sendete angesichts von fast 400 Toten ein Zeichen der Solidarität an die Regime-Kritiker in der Heimat. Auf der Tribüne hatten Frauen Tränen in den Augen. Bereits beim WM-Test gegen Nicaragua Anfang November hatten mit Vahid Amiri und Mehdi Torabi nur zwei Spieler mitgesungen, der Rest schwieg.

Interview: Henning Kunkel

Foto: Imago