Amnesty International über die WM in Katar: „Der DFB muss Druck ausüben“

Katja Müller-Fahlbusch ist Expertin für die Region Naher Osten und Nordafrika bei Amnesty International. Sie befasst sich insbesondere seit der Vergabe der Fußball-WM 2022 im Jahr 2010 an Katar mit den Bedingungen, unter den die Menschen dort arbeiten. Sie sagte am Donnerstag im SPORTRADIO DEUTSCHLAND:

„Die Menschenrechte sind grundlegende Rechte, sie sollten über dem Fußball stehen.“

„Mit Blick auf den Umgang mit den Arbeitsmigrantinnen und Migranten war und ist der Maßstab bis heute nicht die Wahrung und der Respekt der Menschenrechte. Wir drängen darauf, dass die katarische Regierung ihre ersten Reformschritte umsetzt und prüft, wo Lücken sind. Manchmal sieht es auf dem Papier schön aus, aber in der Praxis ist es anders. Es gibt noch viel zu tun.“

„Unsere Hoffnung als Amnesty International ist, dass wir die derzeitige Aufmerksamkeit nutzen, um maximal Verbesserung für die Menschen vor Ort zu erreichen. Das ist am besten mit dem öffentlichen Druck zu erreichen.“

„Es ist immer gut, wenn Fans und Fanvereinigungen sich kritisch äußern und Druck bei den Fußballverbänden machen, dass sie bei den Menschenrechten aktiv werden. Der DFB hat sich eine Menschenrechts-Policy gegeben. Da sollte man Druck machen, dass den Worten auch Taten folgen.“

„Es wäre gut und wichtig, wenn die Medien das Augenmerk auf Menschenrechte weiter behalten. Wir hoffen auf eine Berichterstattung nicht über die Fußballspiele, sondern darüber hinaus. Es geht darum, auch nach der WM noch hinzuschauen. Die Karawane darf nicht einfach weiterziehen. Wenn wir Veränderungen erreichen wollen, darf das Thema nicht mit Abpfiff der WM verschwinden.“

„Die Debatte um die WM in Katar hat vieles bewegt. Es freut uns, dass sich Fußballfans für Menschenrechte interessieren. Große Verbände werden nicht mehr an diesem Thema vorbeikommen. Das sehen wir am DFB. Die UEFA hat auf Drängen einzelner Nationalverbände eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Die FIFA hat ihre Vergabe-Richtlinien dementsprechend verändert. Es geht darum, die Strukturen zu verändern. Die Menschenrechts-Diskussion darf keine Eintagsfliege sein, sondern muss Thema bleiben.“

„Es bleibt noch ein Jahr bis zum Anpfiff der WM. Es liegt in der Hand der katarischen Regierung, der FIFA und auch nationaler Verbände wie dem DFB, ob die WM überschattet wird von Diskussionen um Menschenrechte. Die katarische Regierung muss sich bewegen, die FIFA muss ihre Sorgfaltspflicht wahrnehmen, der DFB muss Druck ausüben.“

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