Zur PotAS-Kommission im deutschen Sport: Ein System, das am Ziel vorbeischießt

In Bratislava läuft die Weltmeisterschaft im Kanu-Slalom. Thomas Konietzko ist Präsident des Deutschen Kanuverbands und ein kritischer Begleiter der Entwicklung des deutschen Sports. Auf dem Weg dorthin sagte er im SPORTRADIO DEUTSCHLAND:

„Die Bewertung besteht aus zwei Säulen: Die erste ist die strukturelle Bewertung eines Verbandes, da waren wir auf Platz 14 von 26. Durch die Erfolge in Tokio sind wir auf den für uns verdienten Platz vier gesprungen. PotAS war ursprünglich gedacht, um Potenziale darzustellen, um die Zukunft darzustellen. Aber ich bin davon überzeugt, dass es kein mathematisches Modell gibt, das diese Aufgabe erfüllen kann. Es ist eher ein Abbild der aktuellen Situation im deutschen Sport. Und dann auch noch deutlich verzerrt, weil einige Attribute, die zur Bewertung herangezogen werden, nicht wirklich Einblick in die Struktur eines Verbandes und in die Leistungsfähigkeit geben kann.“

„Wir alle im Sport stehen auf dem Standpunkt, dass man die Vielfalt des deutschen Sports erhalten muss, dass man alle Sportarten fördern muss und dass man Talenten eine Struktur anbieten muss, dass sie ihr Talent weiterentwickeln können. Ich halte nichts davon, bestimmte Sportarten so zu reduzieren, dass diese Struktur weg bricht. Vor zehn Jahren hatten die Turner niemanden in der Weltspitze. Hätte POTAS damals schon Empfehlungen abgegeben, hätte Turnen keine Zuschüsse mehr bekommen – und dann hätte es auch keinen Fabian Hambüchen gegeben. Es ist immer eine sehr schwierige Geschichte, wenn man einzelne Förderungen streicht. Das tut mir weh für meine Kollegen – aber noch viel mehr für die Sportvielfalt in Deutschland. Ich glaube, das reiche Deutschland sollte es sich leisten können, zumindest in jeder Sportart eine gewissen Grundstruktur zu finanzieren, um Talenten eine gewisse Möglichkeit zu geben, sich zu entwickeln.“

„PotAS sieht sich nur die Spitze der Pyramide an. POTAS bewertet nicht die Basis. Deshalb wird der gesamte Sport gar nicht abgebildet. Und wir brauchen ja die Basis mit all den Ehrenamtlern. Aber dies wird nicht abgefragt.“

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