Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und NRW: „Der Sport ist eine ganz tolle solidarische Familie“

Vor zwei Monaten verwüstete Hochwasser ganze Regionen in Deutschland. Welche Auswirkungen dies auf den dortigen Sport hat, darüber haben wir mit Christof Palm, Hauptgeschäftsführer des Landessportbundes Rheinland-Pfalz, sowie Susanne Weber, Geschäftsführerin der Landesjugend Rheinland, gesprochen. Sie sagten hierzu im SPORTRADIO DEUTSCHLAND:

Susanne Weber:

„Wir haben eine Schadenserhebung durchgeführt, die uns aber nur einen ersten Eindruck gegeben hat. Wir haben von 90 Vereinen die Rückmeldung, dass sie direkt von der Flutkatastrophe betroffen sind – mit einem Schadenvolumen von 25 Millionen Euro bei Sportstätten und 1,3 Millionen Euro an beweglichen Sportmaterialien wie beispielsweise Tore.“

Christof Palm:

„Wir haben direkt in der Woche nach der Katastrophe aus allen anderen Bundesländern Solidaritätsbekundungen bekommen. Wir haben viele Vereine, die sich bei uns gemeldet haben und Patenschaften für unsere Vereine übernehmen wollten. Tischtennis-Vereine aus BaWü haben uns angefragt, wen sie im Ahrtal unterstützen könnten.“

„Wir haben Kontakt zum Landessportbund Sachsen, der vor acht Jahren vor einer gleichen Situation stand. Wir haben gelernt, dass folgende Aktion funktioniert: Menschen können in ihren Garagen, Vereinsheime gehen und gucken, was noch da rum steht: Sprungkästen, Tore und dergleichen. Wir haben dann landesweit acht Sammelstellen eingerichtet, wo die Leute ohne großen Weg die Sachen spenden können, die noch in Ordnung sind und die sie entbehren können.“

„Der Sport ist eine ganz tolle solidarische Familie und das spüren wir ganz stark.“

Susanne Weber:

„Die Vereine sind sehr kreativ geworden und haben Lösungen gefunden, den Nachbarvereinen Hallen und Plätze zur Verfügung gestellt, damit Training stattfinden kann. Die Sportjugend hat mit den Fußballern Jugendcamps organisiert, damit die Kinder Sport machen konnten. Wir müssen jetzt einen Trainingsbetrieb unter schwierigen Bedingungen organisieren, denn den hatten wir lange genug nicht. Wir brauchen Autos, um Mannschaften zu einem entfernteren Ort zum Training fahren zu können.“

„Wir haben schon gesehen, dass Corona Spuren hinterlassen hat. Dort, wo Sport möglich ist, wird aufgeholt. Im Ahrtal wird es sicherlich Spuren bei den Mitgliederzahlen geben. Es wird wahrscheinlich nach unten gehen. Ich hoffe auf Unterstützung von außen, dass der Effekt so klein wie möglich sein wird. Aber es trifft ja nicht nur den Sport, sondern auch andere Vereine. Ich habe die Hoffnung, dass man vor Ort mit zwei Toren, die man einfach hinstellen kann, kreative Lösungen geben wird.“

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