Handball-Legende Henning Fritz: „Keine guten Zeichen für den Spitzensport – Sport ist von der Politik abhängig“

Die Handball-Bundesliga ist gestartet – mit unterschiedlichen Restriktionen bei der Zulassung von Zuschauern in den Hallen. Henning Fritz, Torhüter-Legende, Europameister 2004 und Weltmeister 2007, sagte hierzu im SPORTRADIO DEUTSCHLAND:

Zur Liga:

„Ich sehe keinen Favoriten, es ist sehr eng in der Liga. Sowohl Flensburg-Handewitt als auch der THW Kiel haben das Potenzial, die Meisterschaft zu gewinnen. Es werden Kleinigkeiten sein, die es ausmachen. Ich sehe beide weit vorne – aber mit einigen Mannschaften, die ihnen das Leben schwer machen werden.“

„Die Reduktion der Mannschaften war notwendig. Die Saison 2019/2020 konnte ja nicht zu Ende gespielt werden; deshalb war die jetzige Reduktion nötig. Die Nationalmannschaft braucht mehr Trainingseinheiten, die Bundesliga braucht mehr Regeneration. Es gibt ja schon weitere Überlegungen, die Liga nochmals zu reduzieren. Ich halte das für richtig. Viele Spieler klagen vermehrt über Überlastung. Wir wollen die großen Turniere mit den besten Spielern sehen. Deshalb muss man sich Gedanken machen, wie man sie so einsetzen kann, dass die Bestleistung bringen können.“

Zu den Zuschauerzahlen:

„Was soll ich zur Zuschauerzahl sagen? Es ist schwierig nachzuvollziehen, dass mit unterschiedlichem Maß gemessen wird. Wir wissen aus eigener Erfahrung: Als Athlet willst du in einer vollen Arena spielen und dem Publikum zeigen, dass du der Bessere bist. Dass die Zuschauerzahl auch einen wirtschaftlichen Aspekt hat, ist auch klar. Nur mit vollen Hallen lassen sich gewisse Budgets rechtfertigen – und auch die Halleneinnahmen sind relevant. Deshalb sind wir absolut abhängig von den Zuschauereinnahmen. Ich finde es schade, dass keine einheitlichen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um eine gleichberechtigte Wettbewerbsfähigkeit herstellen zu können.“

Zur Unterstützung durch den Staat:

„Soweit mein Wissensstand richtig ist, gab es für die Bundesligisten Zahlungen des Staats als Ausgleich. Hätte es die nicht gegeben, wären bei einigen Vereinen die Lichter ausgegangen. Trotz der Unterstützung des Staats merken wir die Einschränkungen bei den Vereinen. Es wird die Frage sein, ob es weitere Fördergelder für den Spitzensport gibt. Sollte es die nicht geben, wird es weitere Einschnitte in den Budgets geben. Es sind keine guten Zeichen für den Spitzensport. Der Sport ist von der Politik abhängig.“

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