Olympische Spiele: „Ich kämpfe für eine Bewerbung Deutschlands“

Jens Lehmann (CDU), Abgeordneter des Deutschen Bundestags, ist der erste Olympiasieger im Parlament. Aus Barcelona 1992 und Sydney 2000 brachte er je eine Goldmedaille im Radsport mit. Am Freitag sprach er sich im SPORTRADIO DEUTSCHLAND für eine deutsche Olympia-Bewerbung aus:

„Ich habe zuletzt schon mein politisches Gewicht in die Waagschale geworfen und viel mit Armin Laschet über die Ruhrspiele 2032 gesprochen. Daraus ist leider nichts geworden. Aber Olympische Spiele sind ein großes Thema für Deutschland. Ich will schon noch Olympische Spiele in Deutschland erleben. Ich war überzeugt von Rhein-Ruhr, da dort viele Sportstätten vorhanden sind und die Bevölkerung eher dafür war. Aber es sollte nicht sein.“

„Dass in Deutschland so viele Bürgerinnen und Bürger dagegen sind – das kann ich nicht verstehen. Ich habe als Sportler die Olympia-Bewerbung von Leipzig miterlebt und da waren die Menschen dafür. Wir kamen damals zurück, nachdem Kanzler Schröder das Los gezogen hatte – und wir wurden in Leipzig gefeiert. Das bringe ich regelmäßig in meinen Berliner Gesprächen ein.

In vielen Städten in Deutschland scheitert die Bewerbung schon an der Bevölkerung. Das verstehe ich nicht. Es gibt aber Regionen, die könnten Spiele realisieren. Rhein-Ruhr wird nicht den letzten Anlauf genommen haben, da bin ich mir ziemlich sicher.

Ich will in der nächsten Legislatur, wenn ich wieder gewählt werde, im Sportausschuss für die Bewerbung Deutschlands kämpfen. Wir sind eine Sportnation. Von solchen Veranstaltungen lebt ein ganzes Land. 2040 werden die nächsten Spiele sein, wann sich Deutschland bewerben kann. Rhein-Ruhr finde ich nicht schlecht.“

Zur Parallele von Politik und Sport – und was Angela Merkel dazu rät:

„Die Disziplin und den Anspruch an sich selbst, habe ich im Sport gelernt. Ich verstehe manche Diskussion nicht. Dass man im Leistungssport zu viel Leistung verlangt, ist eine schräge Diskussion. Für mich war immer das Leistungsprinzip. Mir musste nie jemand was schenken, es ging immer um Leistung. Das ist in der Politik wie auch im Sport so.

Ich weiß: Ich muss was abliefern. Ich hab einen Vier-Jahres-Rhythmus – wie im Olympia-Rhythmus. Ich stecke mir Ziele und muss abrechnen. Das hat mir freundlicherweise die Bundeskanzlerin auch mal bestätigt. Ich hatte sie mal um ihren Rat gefragt, als es zu Beginn der Legislatur in Leipzig um den Migrationspakt ging und alle auf der Palme waren und ich nicht so richtig wusste, wie ich damit umgehen soll. Da hat sie mir gesagt: Sie sind doch Leistungssportler, sie wissen doch: Stecken Sie sich Ziele und nach vier Jahren wird abgerechnet und dann müssen Sie was vorlegen. Wenn Sie aber immer jedem alles Recht machen wollen, dann werden Sie bei keinem wirklich Zufriedenheit herstellen. Dann werden Sie nicht mehr gewählt.

Disziplin, Zielstrebigkeit und klare Ansprache – das habe ich im Sport gelernt. Wenn mich mein Trainer den ganzen Tag gelobt hätte, wäre ich nie Olympiasieger geworden.“

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