Olympionikin Melanie Gebhardt bei SPORTRADIO DEUTSCHLAND

Melanie Gebhardt, 27, nahm als Sprint-Kanutin an den Olympischen Spielen in Tokio teil. Die Athletin des SC DHfK Leipzig wurde Fünfte im Kajak-Vierer über 500 Meter. Im SPORTRADIO DEUTSCHLAND sagte sie:

Zu ihrer Karriere:

„Olympia war immer mein Traum. Mit dem fünften Platz waren wir im ersten Moment schon enttäuscht, denn wir hätten um eine Medaille mitfahren können.“

„Ohne die Bundeswehr wäre das so nicht möglich. Mit dem Sport verdienen wir ja kein Geld. Damit können wir die Miete nicht bezahlen.“

„Klar war die damalige Entscheidung für das Sportinternat in Leipzig mit dem Ziel, irgendwann einmal zu Olympia zu fahren. Das war mit 15 zwar früh, aber man lernt sehr viel und wird früh selbstständig.“

„Drei Jahre ist nicht mehr so lang. Es wäre schon schön, Olympia mit Zuschauern zu erleben und Familie und Freunde dabei zu haben. Paris ist kein Selbstläufer. Man muss sich jedes Jahr neu qualifizieren. Man opfert viel, investiert viel. Es muss alles passen.“

Zu Tokio:

„Meine Eltern wussten, dass ich während des Wettkampfs das Handy ausmache. Im Nachhinein hab ich unzählige Nachrichten bekommen – mit Videos vom Public Viewing aus der Heimat.“

„Ich hab mir unser Rennen erst einmal angesehen. Bei der Hälfte sind wir noch gleich durchgegangen. Hinten raus hat uns die Geschwindigkeit gefehlt. 90 Sekunden ist nicht viel Zeit, einen Vorsprung aufzuholen. Zumal man nicht die Geschwindigkeit steigert, sondern gegen den Abfall der Geschwindigkeit ankämpft.“

„Die Spiele waren sehr gut organisiert. Wenn wir mit dem Bus unterwegs zu Strecke waren, haben uns die Japaner zugewunken. Ich habe sie als sehr gastfreundlich wahrgenommen.“

„Wir waren nur im Olympischen Dorf. Ein Kontakt zu Einheimischen war nicht möglich. Wir waren auch nicht bei anderen Wettkampfstätten. Auch der Kontakt zu anderen Sportlern war sehr gering.“

Zur deutschen Olympia-Bilanz:

„Ich habe die Kritik auch gelesen. Es fällt mir schwer, sie zu bewerten. Ich glaube nicht, dass Deutschland schlechter geworden ist, sondern dass die Welt aufgeholt hat. Nichtsdestotrotz gibt es sicherlich Förderungsbedarf. Wir machen unseren Sport so professionell wie möglich. Aber wenn ich den Vergleich mit dem Profi-Sport in den USA sehe, ist sicherlich noch mehr Unterstützung möglich.“

„Es macht Sinn, sich einen Medaillenspiegel anzugucken, um Entschlüsse zu sehen und es besser zu machen. Optimale Leistungen können nur mit dem Anspruch an sich selbst passieren. Es ist aber schade, wenn ein Spiegel genutzt wird, um Sportler schlecht zu machen.“

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