Snooker in der Deutschen Billiard-Union: „Du brauchst nicht die perfekte Technik“

Simon Lichtenberg ist einer der wenigen Snooker-Profis in Deutschland, wurde vor drei Jahren U21-Europameister. Im SPORTRADIO DEUTSCHLAND sagte er:

„Viele wichtige Turniere mit viel Preisgeld sind normalerweise in China, auch weil die Chinesen unfassbare Snooker-Fans sind. Viele Turniere sind ausgefallen oder wurden verschoben. Es war eine ganz andere Saison als sonst.“

„Ich genieße es sehr, vor Publikum zu spielen. Das hat zuletzt sehr gefehlt. Nur mit dem Gegenspieler und dem Schiedsrichter in einem Raum – das macht nicht so viel Spaß.“

„Um richtig gut in Snooker zu sein, musst Du mental stark sein und unter Druck deine Leistung abrufen zu können. Du brauchst nicht die perfekte Technik, um Turniere zu spielen. Die Chinesen haben eine sehr klare Technik. Aber im Kopf entscheidet sich ganz viel.“

„In England ist Snooker in die Gesellschaft integriert. Dort geht man als Kind auch mal Snooker spielen. Und je mehr Spieler in einem Land, umso besser wird man auch. Man spielt mehr, bleibt dabei und kann dann auch eher Profi werden.“

„Ich bin nur wegen meiner britischen Wurzeln zum Snooker gekommen. In Deutschland gibt es nur wenige Vereine, wir haben keine Leistungsdichte, manchmal ist bei deutschen Meisterschaften nicht aus jedem Bundesland ein Vertreter da. Da ist Corona eher kontraproduktiv. Ich habe gehört, dass der älteste Club Deutschlands in Hannover deshalb seine Heimat verloren hat und derzeit eine neue Spielstätte sucht. Man müsste mehr Werbung machen.“

„Es wird immer mehr Snooker in Deutschland übertragen, die Preisgelder gehen hoch und die Verbände sind auch aktiv. Aber es gehen halt nicht mehr so viele Jugendliche in den Snooker-Club. Zu meinen Jugendzeiten hatten wir in Berlin Training mit zehn, 15 Kindern. Jetzt sind es nur noch wenige. Es fehlen in Deutschland die ausgebildeten Trainer und genügend Vereine. In Berlin vielleicht schon, in anderen Städten aber nicht. Es ist nicht wie im Fußball, wo man in jedem Bezirk seinen Verein hat.“

„Ich hoffe, dass ich den Durchbruch bei der Main-Tour schaffe, mehr im Fernsehen spielen kann und die Sportart populärer mache.“

„Soweit ich weiß, werden die Chinesen vom Staat finanziert. Meine erste Jugend-WM in der U19 in China wurde in einer Akademie ausgetragen, wo über 20 Tische standen. Eine eigene Akademie nur für Snooker. Dort ist deutlich mehr Geld für die Nachwuchsförderung.“

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