Ex-DFB-Präsident Zwanziger fordert Verband für Frauenfußball

Dr. Theo Zwanziger war von 2006 bis 2012 Präsident des Deutschen Fußballbundes. 2010 gründete er die „Theo-Zwanziger-Stiftung“, die insbesondere den Mädchen- und Frauenfußball fördert. Mit dem Fußballverband Rheinland hat er einen Antrag zur Ausgliederung der Frauen-Bundesliga gestellt. Am Dienstag sagte er hierzu im SPORTRADIO DEUTSCHLAND:

„Es geht schlicht und einfach darum, die Frauen-Bundesliga zu stärken, die Entwicklung dieser Liga weiter voranzutreiben. Da ist manches geschehen. Aber da geht noch viel mehr. Ich beginne mal bei der Überlegung, dass man eine Vizepräsidentin für die Frauen-Bundesliga im DFB Präsidium installieren sollte. Wir haben auch mit Celia Sasic schon einen Personalvorschlag hierzu gemacht.“

„Aber ganz entscheidend ist, dass die Liga das Zentrale beim Fußball ist – insgesamt bei Männern und Frauen. Man muss sehen, dass die Nationalmannschaft im Jahr vielleicht zehn Mal spielt. Aber die Klubs spielen regelmäßig: Bei den Männern gibt es 34 Spieltage, bei den Frauen gibt es in der ersten Bundesliga 22 Spieltage. Das heißt: Die Akzeptanz und die Aufmerksamkeit für Spitzenfußball, für die Elite werden in erster Linie durch die Klubs gewonnen. Und das ist das ganz Entscheidende. Hier geht mehr. Bei der Frauen-Bundesliga sehen wir das im Ausland.“

„Die Wirtschaftlichkeit in den Klubs bei den Frauen ist in der Tat in einigen internationalen Ligen besser geworden, als das bei uns der Fall war. Trotz aller Anstrengungen, die der DFB dort zweifelsfrei unternimmt. Das hängt damit zusammen, dass die Gesellschaft und auch damit die Sponsoren, die ja ein Produkt suchen, das auch in der Gesellschaft weitverbreitet Aufmerksamkeit findet, in diesen Ländern vorangekommen sind. Man sieht das besonders in England, aber auch in einigen anderen Ländern merkt man, dass sich Sponsoren dafür interessieren, stärker interessieren als früher.“

„Das hat auch viel zu tun, unabhängig vom Fußball, mit der gesellschaftlichen Entwicklung, mit der Rolle der Frau in unserer Gesellschaft. Sie wird immer größer und sichtbarer. Das ist ganz, ganz wichtig ist, Frauen sehr viel mehr in der Entscheidungsebenen zu integrieren, ihnen Mut zu machen, sich auch in klassischen Männerdomänen einzubringen und dort mit ihrem ganz speziellen Können und mit einer ganz speziellen Erfahrung zu einer guten weiteren Entwicklung beizutragen.“

„Und hier müssen wir mit Deutschland ansetzen und weitermachen. Wenn ich an die tollen Erfolge vom FFC Frankfurt oder Turbine Potsdam oder auch Wolfsburg denke – hier ist Stillstand, hier ist Rückschritt. Und deshalb bedarf es dieser Anstrengungen. Und zwar gerade auch zum nächsten Bundestag, der ja, das war auch für uns ein Punkt, mit vielen anderen Fragen belastet sein wird. Und da ist es ganz schnell passiert, dass man die Entwicklung des Frauenfußballs auf der Agenda nicht hoch genug gewichtet und deshalb haben wir einfach dies auch so vorangetrieben. Und ich denke, wir wollen Anschluss halten an die internationale Entwicklung und den Beitrag leisten, den viele, die interessiert sind am Fußball, die auch interessiert sind am Frauenfußball, das Ganze weiter näher zu bringen.“

„Unser Antrag heißt nicht, dass der DFB was versäumt hat. Der DFB müht sich schon seit vielen Jahren, ich würde sagen seit Jahrzehnten um die weitere Entwicklung des Frauenfußballs. Er setzt aber sehr stark auf die Vermischung aller entsprechenden Bereiche. Das heißt, er setzt auf die Nationalmannschaft, er setzt auf die Nachwuchsförderung über die Nationalmannschaft. Er setzt stark auf Mädchenfußball, auf Frauenfußball im Amateurbereich. Er initiiert eine Vielzahl von Projekten. Der Clubfußball ist etwas Besonderes. Genau wie bei den Männern. Der Clubfußball muss stärker hervorgehoben werden, stärker mit eigenen Kompetenzen und Verantwortung versehen werden, um sich auch selbst im Grunde ein Stück weiterzuentwickeln.“

„Dieser Antrag ist keine Kritik am DFB. Dieser Antrag ist der Versuch, dass weitere Entwicklungsschritte nicht vor dem Hintergrund eines mit anderen Fragen sehr stark belasteten Bundestags in Vergessenheit geraten.“

„Wir stehen jetzt vor der Männer-Europameisterschaft 2024. Das wird ein tolles Sportevent in unserem Land – und da muss der Frauenfußball mitgehen. Celia Sasic zum Beispiel ist ja dort im Organisationskomitee zusammen mit Philipp Lahm. Das sind ja Persönlichkeiten, die hier den Fußball verkörpern, nicht nur den Männerfußball und den Frauenfußball getrennt, sondern die den Fußball verkörpern. Und deswegen ist jetzt erst richtig, diese Entwicklung gerade des Clubfußballs bei den Frauen aufzunehmen und alles auszuloten, was man noch besser machen kann.“

„Eine Verbindung zwischen dem Männerfußball in der DFL und den Frauen wäre aus meiner Sicht nicht gut. Das würde dazu führen, dass die starke Öffentlichkeitswirkung des Männerfußball den Frauenfußball dort überlagern würde. Das ist nicht gut. Die Frauen brauchen eine gewisse Eigenständigkeit, entweder in einem eigenen Verband, natürlich immer in enger Verbindung, das ist ja klar.“

„Die werden ja nicht losgelöst, sondern sie brauchen einen eigenen Verband. Entweder unter dem Dach des DFB in jedem Fall auch in Verbindung mit der DFL. Oder man gründet eine neue GmbH, dass man guckt, ob man hier auch eine Plattform finden kann, die eine gewisse Eigenständigkeit verkörpert, die eine gewisse Selbstverantwortung verkörpert und gleichwohl auf die starke Unterstützung des DFB und auch der DFL vertrauen kann. Das, denke ich mal, wird in den nächsten Wochen zu besprechen sein. Und dann hoffe ich, dass wir am Ende des Tages ein gutes Ergebnis haben, das weiterführt. Frauenfußball ist so athletisch geworden, das ist technisch so großartig, tolle Spielzüge, auch herrliche Tore, nicht anders wie im Männerfußball. Und es ist oft bei weitem nicht so hart. Und ja, man bleibt auch nicht so lange liegen, wenn man mal gefoult worden ist. Auch das spricht für den Frauenfußball.“

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