Zur Zukunft des Schwimmens in Deutschland: Biedermann fordert Seebäder statt Hallenbäder

Paul Biedermann ist mehrfacher Welt- und Europameister im Schwimmen, hält noch immer den Weltrekord im 200 Meter Freistil. Über seine Herzenssport sorgt er sich, viel mehr aber noch um die Kinder in Deutschland. Im SPORTRADIO DEUTSCHLAND sagte er am Donnerstag:

„Eine Studie der DLRG hat ergeben, dass etwa 80 Schwimmbäder jedes Jahr schließen müssen und 60 Prozent der Zehnjährigen nicht richtig schwimmen können.“

„Die Ausbildung, das Schwimmenlernen im Kindesalter ist wichtig. Wir in Halle haben Schwimmcontainer. Da können Kinder mit dem Wasser in Kontakt kommen und generell eine Bewegungserfahrung sammeln.“

„Das Seepferdchen sehe ich als überholt an. Eine wirkliche Schwimmsicherheit gibt es erst ab dem Bronze-Abzeichen.“

„Eine normale Schwimmhalle ist für eine Kommune immer ein Kostenpunkt und nicht profitabel. Deshalb werden ja eher Freibäder gebaut. Aber eine Rutsche ist nicht mit einer 25 Meter Bahn vergleichbar.“

„Wir brauchen in den Kommunen Schwimmhallen, damit die Kinder überhaupt die Möglichkeit haben, Schwimmen zu lernen.“

„Wir in Halle planen eine Schwimmstätte am See, kontrolliert von der Wasserwacht. Das ist ein Pilotprojekt und eine gute Möglichkeit, wenn es keine Schwimmbäder mehr gibt. Und es hat den Vorteil, dass man mal Witterungsbedingungen und Strömungen mit erlebt.“

„In Halle haben bis zu 1000 Kinder während Corona keine Möglichkeit, ihre Schwimmausbildung abzuschließen. In den Ferien wurde viel gemacht. Es gab Kurse, die Schwimmbäder hatten länger geöffnet. Man muss sich nur dahinter klemmen und es anschieben. Da ist jeder Einzelne gefordert.“

„Der Deutsche Schwimmverband müsste schon viel länger an der Talentförderung arbeiten, dass die Kinder von der Breite in die Spitze kommen. Es passiert ja schon viel. Aber wenn man die Themen nicht aufs Tablett bringt und man den Politikern vor Ort die Themen nicht aufschreibt und sie zum Gespräch bittet, kann man nichts anstoßen. Da müsste mehr passieren.“

„Wir haben mit Florian Wellbrock einen Olympiasieger und damit einen großen Vorbildcharakter – gerade auch mit seiner Freundin Sarah, die ja bald heiraten. Es gehört dazu, dass man sich auch ein wenig im Privatleben öffnet, weil das Medien interessiert und damit indirekt ja auch über Schwimmen berichtet wird. Ich habe auch gelernt, dass Medien Menschen hochjubeln können. Dann ist es natürlich für Schwimmer aus der zweiten Reihe schwer. Vielleicht wäre ein breiterer Fokus auch mal möglich, dass auch über den Fünften oder Sechsten berichtet wird.“

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