Tabea Kemme: Einbezug von ehemaligen Sportler:innen in Vereins- und Verbandsstrukturen „ist schlichtweg nicht gewollt.“

Do / 03.02.22 / 08:20
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Im Interview mit SPORTRADIO DEUTSCHLAND kritisiert die ehemalige Fußball-Nationalspielerin Tabea Kemme den mangelnden Willen der verschiedenen Führungsebenen, ehemalige Sportler:innen in bestehende Vereins- und Verbandsstrukturen einzubeziehen, um innovativer zu werden. Es brauche Charaktere und starke Menschen, Frauen und Männer, die etwas bewegen wollen – auch beim DFB. „Nur das Problem ist halt ganz klar die obere Linie, was den Vorstand, was die Präsidenten angeht. Die haben die alleinige Entscheidungsmacht – und die nutzen sie halt auch eiskalt aus“, so Tabea Kemme.

„Diese Möglichkeiten, die die Vereins- und Verbandstrukturen einfach verpassen, zu sagen, wir nehmen hier ehemalige Sportler und Sportlerinnen mit in das System, um eine gewisse Power zu gewinnen. Da wird sich wirklich mit Händen und Füßen dagegen gewehrt. Da kann man noch so sachliche Argumente bringen, Ideen innovativ gestalterisch einbringen – es ist schlichtweg nicht gewollt.“

Über ihre eigene Rolle im System:
„Ich war tagtäglich erschüttert darüber, wie das System funktioniert. Und es ist ganz klar: Auch ich war mal eine Marionette des Systems. So funktioniert das System. Weil, wo hört man wirklich klare Statements von den Athleten und Athletinnen, die kritisch auf dieses System blicken? Die gibt es nicht, weil da dann die Pressestelle einfach querschlägt und sagt ‚Nee, das geht so nicht raus, das muss man zensieren.‘ Und das ist genau das Problem.“

Über den Blick auf Frauen als Fußballexpertinnen:
„Solange ich jetzt als Frau mit meinem Background, mit meiner Expertise in das Territorium des Männerfußballs gehe, ist eine große Verwunderung da, dass ich ja Ahnung vom Fußball hätte, von diesem Sport. Und das signalisiert mir ja schon mal, dass es wichtig ist, dass wir platziert werden, dass ich mich platziere, dass die Spielerinnen sich generell platzieren und einfach da sind, authentisch ihre Expertise beleuchten und einfach in die Gespräche gehen. Weil sorry, es ist halt auch einfach nur Fußball!“

„Das Feedback bisher war nur positiv und darüber hinaus ja auch in der Öffentlichkeit generell. Klar hast du die ein oder anderen Nörgler, die es doch nicht wahrhaben wollen, dass eine Frau dann wirklich Ahnung von Fußball hat.“

„Ich meine, dass es halt die Menschen gibt, auch innerhalb dieser Strukturen von Seiten zum Beispiel ARD und ZDF, die das Potenzial erkennen. Aber auch die sind abhängig von der Entscheidung der obersten Linie. Und das ist das Problem.“

„Ich sehe es überall, auch in der Jugend. Ich meine, ich bin in männerdominierten Sphären unterwegs, polizeitechnisch wie sportmäßig. Und ich sehe jedes Mal diesen Mehrwert. Also beim Zusammenarbeiten zwischen Mann, Frau und auch in größeren Gruppen – das ist der Hammer. Also ich würde es nicht anders haben wollen und ich glaube, das muss einfach nur in die Köpfe der anderen.“

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