1. FC Union Berlin Fan Gregor Gysi bei SPORTRADIO DEUTSCHLAND: „Die Fans sind nicht zu enttäuschen“

Do / 20.01.22 / 08:11
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Anlässlich des gestrigen DFB-Pokal Achtelfinalspiels zwischen dem 1. FC Union Berlin und Hertha BSC sprach SPORTRADIO DEUTSCHLAND mit Union-Fan Gregor Gysi über die Entwicklung des Vereins, die Fans und seine berufliche Verbundenheit mit der Fanszene. Dabei blickt Gregor Gysi sowohl auf die Zeit während der DDR als auch die aktuelle Situation und sagt: 

„Es war immer ein außergewöhnlicher Verein. […] Die Fans sind ja nicht zu enttäuschen. Wissen Sie, ich kenne Fans, wenn drei Tore gegen die eigene Mannschaft geschossen werden und die sind auch wirklich gut und berechtigt, dann fangen die an, gegen ihre eigene Mannschaft zu pfeifen. D a s würde es beim 1. FC Union nicht geben! Selbst wenn sie null zu acht zurückliegen, die würden weiter klatschen und für ihre Spieler entsprechend rufen.“

Auf die Frage nach dem Grund für seine Verbundenheit mit dem 1. FC Union Berlin:

„Das hängt damit zusammen, dass ich in der Nähe gewohnt habe. Deshalb bin ich als Kind des Öfteren in das Stadion gegangen und da gewöhnt man sich ja an eine Mannschaft. Außerdem sind das besondere Fans und später hatte ich als Rechtsanwalt mit ihnen zu tun.“

Auf die Frage nach seiner Anwaltstätigkeit für den 1. FC Union Berlin in der DDR:

„Immer wenn der 1. FC Union zu Hause in Berlin spielte, hatte ich danach zwei bis drei neue Mandanten in Rummelsburg in Untersuchungshaft, für die ich mich dann entsprechend einsetzen musste – was ich auch getan habe.“

„Ja, da ging es immer um Körperverletzung oder um schwere Beleidigung oder ähnliche Dinge. Und dann wurden die jungen Kerle eigentlich immer gleich in Untersuchungshaft genommen. Und dann bin ich immer zu dem Richter gegangen, habe lange gesprochen, habe gesagt: ‚Der ist doch noch jung.’ Und so habe ich dann meistens auch die Entlassung erreicht und dann eine Bewährungsstrafe oder eine Geldstrafe oder so.“

„Und in der ganzen Zeit hatte ich wirklich mehrere Fans vom 1. FC Union verteidigt. Aber nur ein einziges Mal in den 20 Jahren, die ich Rechtsanwalt in der DDR war, hatte ich einen Fan vom BFC Dynamo dabei, denn der Chef war Erich Mielke.“

Auf die Frage nach der Entwicklung des Vereins:

„Ich bin sehr zufrieden und ich will Ihnen auch sagen, warum: Als das Stadion umgebaut werden musste, damit man überhaupt in die 1. Liga gehen konnte, also schon bei der 2. Liga, da haben die Fans wirklich also für irrsinnig viel zu ersparendes Geld selbst gebaut, gemacht, getan. Das ist für die selbstverständlich so wie sie eben auch zum Weihnachtssingen kommen. Das ist ja auch außergewöhnlich, gibt es ja sonst nirgendwo. Und das nimmt mich immer wieder für sie ein.“

„Und als wir dann mal einen Sponsor hatten beim 1. FC Union, der ein bisschen viel Geld hatte, waren die Fans auch gleich sehr, sehr unzufrieden. Das mögen sie nicht. Aber ich verstehe auch wieder die Leitung vom 1. FC Union. Also irgendwo mussten wir das Geld herholen, um Spieler und alles bezahlen zu können.“

„Wenn man aufsteigt von der zweiten in die 1. Bundesliga, dann passiert es häufig, dass man gleich wieder absteigt. Manche schaffen das, beim ersten Mal drin zu bleiben, steigen aber beim zweiten Mal ab. Aber das ist dem 1. FC Union nicht passiert. Und deshalb liegt er jetzt gut und im Augenblick liegt der sogar auf dem Champions-League Platz. Es muss natürlich nicht so bleiben, aber es wäre natürlich schon ein Höhepunkt.“

Auf die Frage nach seiner eigenen Vergangenheit als Torwart:

„Wenn ich gespielt habe, stand ich im Tor, weil ich faul bin. Und ich hatte keine Lust, die ganze Zeit über den Rasen zu rennen. Das Problem für mich war nur: Wie soll ich an die obere Stange kommen, weil ich ja etwas kurz geraten bin. Aber irgendwie ist es mir dann doch gelungen.“

Gregor Gysi im Interview
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Sportradio Deutschland